Abstract / Вывод

Us, four members of Refugee Law Clinics in Germany travelled to Kaliningrad in Russia to meet fellow Russian law students involved in legal clinics. The aim of this first part of the exchange was to connect with the Russian students and getting to know the differences in our clinical work. We stayed for three days in total, participated in the ongoing summer school and presented our work with practical consulting workshops, in which the Russian students participated. Thus, interesting conversations grew out of the workshops, making the access to justice, the situation of refugees in Germany and the differences in the legal clinics the main subjects of discussion. The high motivation of all participants and the setting of the summer school led to a successful start of the exchange.

Мы, четверо представители общества „Refugee Law Clinic Germany“ из Германии, полетели в Калининград чтобы встреться с студентами – членами юридических клиник.
Цель этой встречи – наладить связь с русскими студентами и узнать о особенностях и различиях в роботе юридически клиник. Мы три дня были в Калининграде. Там мы представили нашу работу на практических консультационных семинарах, в которых участвовали российские студенты с разных городов. Таким образом возникли интересные темы бесед: как получит юридическую консультацию, кризис беженцев в Германии и различия в юридических клиниках.
Интерес и мотивация всех участников семинара привели к успешному началу обмена.


 

„Das Recht ist also der Inbegriff der Bedingungen, unter denen
die Willkür des einen mit der Willkür des anderen nach einem allgemeinen Gesetz
der Freiheit zusammen vereinigt werden kann.“

– Kant, Metaphysik der Sitten

 

Die Chopin-Connection

Diese Erkenntnis des berühmten Philosophen Immanuel Kant ist heute wohl noch so wahr wie früher. In seiner Geburtsstätte Kaliningrad, ehemals Königsberg, hatten wir – vier Jura-Studierende aus Berlin, Trier, München und Hannover – die Gelegenheit uns mit russischen Studierenden über solches Recht auszutauschen. Genauer gesagt über Menschenrechte, Flüchtlinge und den Rechtsstaat an sich. Als die ersten drei unserer Gruppe aus Deutschland sich das erste Mal in Warschau im Chopin-Flughafen trafen war die Vorfreude groß. Was wird uns erwarten? Wie ist die Meinung der russischen Studierenden zur ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe? Was wird uns neues in der Diskussion über Menschenrechte begegnen?

Wir saßen zusammen bei einem Mittagessen und besprachen all diese Dinge. Aber vor allem besprachen wir unsere Vorträge, die wir in den nächsten Tagen halten sollten, ebenso wie die Workshops die wir vorbereitet hatten, um unsere Arbeit den russischen Studierenden näher zu bringen. Als wir schließlich später am Abend gut gestärkt und sehr gespannt in unserem Hotel ankamen, ließen wir nicht viel Zeit verstreichen und fuhren direkt zur Universität. Dort angekommen wurden wir sofort von Professor Arkady Gutnikov, einem der Leiter des Projekts und unserem Ansprechpartner in Kaliningrad, herzlich begrüßt und in den Hörsaal geführt. Hier warteten bereits an die zwanzig Studierende auf uns, gespannt auf den Workshop, den wir für diesen Abend geplant hatten. Wir thematisierten im Rahmen eines „World-Cafés“ zunächst vorrangig unsere Arbeit in den Refugee Law Clinics.

„Zwar könnten wir, wenn wir es benötigen, ein Zertifikat über unser Engagement erhalten, jedoch sei unser Ziel ein anderes.“

Hierbei teilten wir die Teilnehmer in drei Gruppen auf, die nacheinander zu einem von uns kamen, sodass wir über unsere Arbeit und unseren Verein berichten konnten. Eine kleine Vorstellungsrunde, die auch den Aufbau einer NGO in Deutschland erklärte und beschrieb, wieso unsere Arbeit für einen Rechtsstaat so wichtig ist. Einige der russischen Studierenden arbeiteten bereits selbst in einer universitären Legal Clinic, in der sie Rechtsberatung vor allem im Zivilrecht gaben. Voller Freude stellten wir fest, dass die Teilnehmenden uns äußerst interessiert zuhörten und auch sofort die ersten Fragen stellten. Als erstes wollten sie wissen, ob wir ein Zertifikat für unsere Arbeit bekämen, das uns im Lebenslauf für unseren weiteren beruflichen Werdegang helfen würde. Wir erklärten, dass dies nicht die Motivation sei, aus der wir in der Refugee Law Clinic arbeiteten. Zwar könnten wir, wenn wir es benötigen, ein Zertifikat über unser Engagement erhalten, jedoch sei unser Ziel ein anderes. „Welches?“, wurde natürlich sofort gefragt.

Wir erklärten, dass uns in erster Linie die Menschen am Herzen lägen. Wir möchten zu einer toleranten und offenen Gesellschaft beitragen, in der jeder Mensch gerecht behandelt wird und gleichermaßen Zugang zum Recht erlangt. Wir möchten geflüchteten Menschen eine unabhängige Rechtsberatung bieten, um es ihnen so zu ermöglichen, ihre Rechte durchzusetzen. Die Studierenden schienen erstaunt aber auch interessiert. Manche fragten sogar, ob man bei uns arbeiten könne, wenn man in Deutschland lediglich ein Auslandssemester oder zwei absolviere. Zwar gab es hier und da Verständigungsprobleme, da nicht alle der Studierenden englisch sprachen, aber auch in diesen Fällen fand sich schnell jemand, der fleißig übersetzte. Die Studierenden hatten so viele Fragen, dass die Zeit, die wir eingeplant hatten, weit überschritten wurde und unsere Diskussionen leider zunächst unterbrochen werden mussten, weil die Universität schließen wollte. Doch in den folgenden Tagen sollten wir noch genug Gelegenheit bekommen, um die ein oder andere Debatte fortzuführen und uns weiter auszutauschen.

Mit einem wunderbaren ersten Eindruck verließen wir alle zusammen die Universität und begaben uns zum Abendessen mit Professor Gutnikov in die Innenstadt. Dort fanden wir schnell ein gemütliches ukrainisches Restaurant in dem wir bei typisch ukrainischem und russischem Essen einiges über Russlands Politik und Bildungssystem erfuhren. Voller neuer Eindrücke erwarteten wir so die nächsten Tage.

 

 

legal argumentation in refugee cases

Am Donnerstag fuhren wir morgens in die Universität um zum Programm der Summer School der russischen Studierenden dazuzustoßen. Da die meisten Workshops auf Russisch geführt wurden, konnten wir leider nicht an allen so einfach teilnehmen. Aber der Workshop „legal argumentation in refugee cases“ am Donnerstagmorgen wurde – extra um uns einbinden zu können – auf Englisch durchgeführt. Die grundsätzliche Idee war es, die russischen Studierenden, die größtenteils in Legal Clinics aktiv sind, in denen sie zu allen zivil- und verwaltungsrechtlichen Fragen beraten, darauf zu schulen, welche Informationen in Asylrechtsfällen von besonderer Bedeutung sind. Während wir einen frontal geleiteten Workshop erwarteten, warf uns der Professor Arkady Gutnikov ins kalte Wasser uns gab uns ein paar Minuten, damit jeder sich einen Asylrechtsfall ausdachte, ggf. auch aus der eigenen Beratungspraxis um so eine Art Beratungssimulation anzuleiten.

So stellten wir vier also schnell einen fiktiven Asylrechtsfall her, schrieben uns die Informationen auf, die wir den Studierenden über unsere Person als „Geflüchteter“ geben wollten und hatten eine kleine Lösungsskizze nach deutschem Recht im Kopf sowie eine Vorstellung, wie das Beratungsgespräch in einer unserer Law Clinics ablaufen würde. So entstand dann eine Art Beratungssimulation, in der wir in einzelnen Kleingruppen die Rolle des Ratsuchenden übernahmen und die Arbeitsweise der russischen Studierenden beobachteten. Wir gaben ggf. etwas Hilfestellung wie man das Gespräch am besten führen könnte und was die (zumindest im deutschen) Asylrecht wichtigsten Punkte sein dürften, was manchmal mit dem russischen Asylrecht übereinstimmte, manchmal auch nicht. So war es eine Gelegenheit für die russischen Studierenden die Praxis einer Refugee Law Clinic kennenzulernen, für evtl. eigene Fälle zu üben und für uns eine Möglichkeit, etwas über das russische Asylrecht und die Arbeitsweise der Legal Cinics in Russland zu lernen.

 

Immanuel Kant / Иммануи́л Кант

Nach dem Workshop gingen für die russischen Studierende die Workshops der Summer School weiter und wir hatten etwas Zeit, die Stadt Kaliningrad zu erkunden. Wir fuhren zuallererst zum Königsberger Dom, da wir dachten, es würde um die Uhrzeit dort eine Führung geben, lagen damit aber leider falsch. Also erkundeten wir das Museum im Königsberger Dom und die Kneiphof-Insel, der alte, von Kanälen umgebene Stadtkern, auf eigene Faust. Und ein Besuch des Immanuel-Kant-Grabs durfte natürlich auch nicht fehlen.

Anschließend bereiteten wir im Hotel die Dokumente für den abendlichen Workshop vor. Dieser bestand aus zwei Teilen: nochmals ein Beratungsworkshop, diesmal vorbereitet und mit längeren Fällen, die sich auch näher an der Beratungspraxis einer RLC orientierten. Dabei wurden sowohl die Berater als auch der Beratungssuchende von den russischen Studierenden gespielt, wir vier standen außen vor. Thematisiert wurden die wohl am häufigsten aufkommenden Beratungskonstellationen in einer RLC, zusätzlich bauten wir Komplikationen wie Sprachbarrieren ein. Der zweite Teil entstand eher spontan. Aus dem Beratungsworkshop heraus entwickelten sich abermals Gespräche bezogen auf die Law Clinics. Persönlich empfand ich diese nun fruchtbarer als die vorangegangen. Wir alle hatten uns gemeinsam angenähert und die wenigen bestehenden Berührungsängste abgebaut. Die Workshops haben ein realistisches Bild einer RLC-Beratung gezeichnet, so dass die genauer die Eigenarten zwischen den russischen und deutschen Law Clinics ausgearbeitet werden konnten. Zudem wurden persönliche Meinungen vermehrt eingebracht, es entstanden interessante Gespräche rund um Law Clinics, dem Umgang mit Geflüchteten und dem Zugang zu Recht. Schließlich rundeten wir zusammen mit den russischen Studierenden den intensiven Workshop in einem tollen turkmenischen Restaurant ab.

 

Ostseebad Königsberg

Am Freitag ging es dann für uns an die Ostsee. Da stand für die Summer School Teilnehmer eine Teambuildingmaßnahme an. Wir entschlossen uns auch daran teilzunehmen bevor wir unsere Rückreise nach Deutschland antreten mussten. Nach einer einstündigen Busfahrt kamen wir in der Nähe der Stadt Swetlogorsk an.

Dort waren schon Teamzelte aufgebaut und wir wurden auf die bereits bestehenden Gruppen aufgeteilt. In diesen Teams mussten wir zusammen in zwei Stunden drei Aufgaben lösen. Eine sportliche, eine kreative und eine kulinarische Aufgabe. Alles musste zum Thema „Der Jurist als Tourist“ passen. Während wir also unserer Kreativität freien Lauf ließen, malten und Flaggen Sandwiches zubereiteten, kamen wir mit den Studierende auch ins Gespräch. Wir redeten über die universitäre Ausbildung und über Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Länder.

Da wir drei noch ein wenig die Innenstadt von Swetlogorsk erkunden wollten verabschiedeten wir uns von unseren Teams und den Studierenden. Auch bei Arkady verabschiedeten wir uns und bedankten uns für diese einmalige Erfahrung. Angekommen in der Innenstadt, spazierten wir auf der Suche nach kleinen Mitbringsel durch die Einkaufsstraße. Zum Abschluss der Reise setzten wir uns noch kurz an die Ostsee und reflektierten unseren Aufenthalt, bevor uns unser Taxi am Abend zum Flughafen brachte.

Mit unserem Flug nach Warschau um 18 Uhr endete unser Abenteuer Kaliningrad.

 

Не имей сто рублей, а имей сто друзей.

Zusammenfassend können wir sagen, dass der Austausch mit den Studierenden eine große Bereicherung für uns war. Wir alle nehmen Erkenntnisse über das russische Modell der Law Clinics und des Asylrechts nach Deutschland mit und werden das auch in unseren Law Clinics weitergeben. Wir konnten den russischen Studierenden unser Verständnis von Recht, insbesondere Flüchtlingsrecht, näherbringen. Wir hatten die Chancen mit anderen Meinungen und Haltungen konfrontiert, Vorurteile aus dem Weg zu räumen und unsere eigenen Vorurteile abzubauen.

Auf jedem Fall haben wir viele Bekanntschaften geschlossen, die wir mithilfe der sozialen Netzwerke aufrechterhalten und vertiefen werden. Wer weiß? Vielleicht benötigen wir die Hilfe unserer neuen Freunde beim nächsten Russlandbesuch.

Denn ein russisches Sprichwort sagt:„Не имей сто рублей, а имей сто друзей.” („Keine hundert Rubel brauchst du, aber hundert Freunde.“).

 

Refugee Law Clinics Russia ist ein Kooperationsprojekt zwischen den Refugee Law Clinics Deutschland und dem NON-GOVERNMENTAL EDUCATIONAL INSTITUTION “ST.PETERSBURG INSTITUTE OF LAW NAMED AFTER PRINCE P.G.OLDENBURGSKY”. Das Projekt wird – hoffentlich bald – unterstützt vom Auswärtigen Amt im Rahmen des Programms: AUSBAU DER ZUSAMMENARBEIT MIT DER ZIVILGESELLSCHAFT IN DEN LÄNDERN DER ÖSTLICHEN PARTNERSCHAFT UND RUSSLAND.

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