Der gut gefüllte Konferenzsaal in Denver.

Seit 40 Jahren versammeln sich die amerikanischen „Clinicians“, Lehrende in den diversen Legal Clinics im gesamten Land, einmal jährlich zur großen Clinical Conference, die von der Association of American Law Schools (AALS) organisiert wird. In diesem Jahr fanden sich ca. 600 Clinicians in Denver zusammen. Im Folgenden berichtet unser Vorsitzend
er Max Oehl, der sich gerade im Rahmen eines Forschungsaufenthalts in den USA befindet, und dies zum Anlass nahm in Denver vorbeizuschauen, von seinen Eindrücken.

Resistance in the age of Trump

Die Konferenz stand naturgemäß unter starkem Eindruck der ersten 100 Tage unter Donald Trump, selten zuvor in ihrer über vierzigjährigen Geschichte fühlten sich die Legal Clinics so stark herausgefordert wie momentan. Ob im Bereich Migration, criminal justice oder domestic violence – überall werden Gesetzgebung und Exekutivhandeln restriktiver, werden die Eingriffe in Grund- und Menschenrechte der Betroffenen intensiver.

Davon lassen sich die Clinicians jedoch nicht entmutigen. Im Gegenteil formulierte ein Teilnehmer, der gemeinsam mit seinen Studierenden an der Yale Law School u.a. das Gerichtsverfahren gegen den Trump’schen „Immigration ban“ betrieb, er fühle sich geradezu „made for“ die aktuelle Situation.

Der Kampfesgeist der Clinicians also ist ungebrochen. Wie auf der Konferenz deutlich wurde, war er gar gewissermaßen von Anfang an notwendiges Wesensmerkmal der gesamten Bewegung. Spricht man mit „alten Hasen“, welche die Bewegung schon in den 1970er Jahren mit geprägt haben, so berichten diese gerne und mit strahlenden Augen von den erfolgreichen Kämpfen, die man führte, um die Clinics – und mit ihnen die „social justice education“ – an den US-Law Schools zu etablieren.

Die „clinical legal education“ ist in den USA mittlerweile wesentlicher Ausbildungsbestandteil

Eine Teilnehmerin stellt vor, inwiefern ihre Clinic dazu beiträgt, soziale Gerechtigkeit in den USA zu fördern.

Auch wenn sich ab und an noch beschwert wird, dass man als „Professoren zweiter Klasse“ behandelt und von den klassisch-wissenschaftlichen Kollegen wahlweise belächelt oder ignoriert werde, ist es doch beeindruckend, was in den letzten Jahrzehnten erreicht wurde. Die „clinical section“ ist mittlerweile die größte AALS-Sektion überhaupt, jede amerikanische Law School hat mindestens eine Clinic in ihr Curriculum integriert, in vielen Fällen operieren dutzende, zu den unterschiedlichsten Themen ausgerichtete Clinics an der Law School nebeneinander. Immer mehr Studierende machen gar die Wahl ihres Studienorts davon abhängig, wo die praxisorientierten Angebote am vielfältigsten sind, wo die Zielsetzung, „socially conscious lawyers“ auszubilden am glaubhaftesten verfolgt wird.Auch Internationalisierung der klinischen Ausbildungsprogramme ist den Studierenden zunehmend wichtig; routinemäßig bieten die Law Schools mittlerweile sog. externships an, die ihre Studierenden in die unterschiedlichsten Winkel der Welt führen können.

Legal clinics als Brückenbauer

Im Großen und Ganzen war es inspirierend zu sehen, welche Strahlkraft Legal Clinics entfalten können. Die US-Clinics wirken als wirkmächtige intermediäre Gebilde, die unterschiedlichste Gruppen zusammenführen (Jurastudierende an Elite-Schulen und rechtshilfebedürftige Trump-Wähler im ländlichen Süden, progressiv und konservativ denkende Mitglieder der rechtswissenschaftlichen Fakultäten etc.), etwaige Milieugrenzen überbrücken und so den gesellschaftlichen Zusammenhalt wie auch den Rechtsstaat an neuralgischen Punkten stärken. Nach diesem Wochenende jedenfalls sind für mich die USA ohne die kampfbereiten Clinicians kaum mehr vorstellbar – ihre Verdienste um den Erhalt einer offenen, freiheitlichen Gesellschaft sind beeindruckend. Und selbstredend sind sie im aktuellen politischen Klima wichtiger denn je.

Transatlantische Brücken

Abendessen des „externship committees“ der AALS.

Nach intensiven drei Tagen jedenfalls sind die deutschen Refugee Law Clinics um einige Freunde auf amerikanischer Seite reicher. Viele Clinicians bekundeten großes Interesse an einer Kooperation, bspw. im Zuge der sog. externship-Programme, die amerikanische Studierende/Lehrende nach Deutschland – und vice versa deutsche Studierende/Lehrende in die USA – bringen könnten. Gemeinsam soll in den kommenden Monaten ausgelotet werden, welche Form von Kooperation auf Interesse sowohl der deutschen als auch der amerikanischen Seite stoßen könnte.

Rückfragen zu den amerikanischen Clinics oder anderen Themen beantwortet Max gerne unter oehl@rlc-verband.de!