150 Gäste aus Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Praxis nahmen am 23. November an der Fachkonferenz zur Vorstellung der Studie “Wie gelingt Integration? Asylsuchende über ihre Lebenslagen und Teilhabeperspektiven in Deutschland“ des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration (Forschungsbereich) und der Robert Bosch Stiftung teil. Auch der Dachverband war durch Geschäftsführerin Iris Wellmann vertreten. Ausgangspunkt für die Studie war die Frage, welche Themen die Geflüchteten wirklich beschäftigen. Mit einem möglichst offenen Ansatz sollte den Interviewten Raum für ihre in Deutschland gemachten Erfahrungen gegeben werden. Welchen Herausforderungen stehen sie gegenüber? Wie ist ihr Blick auf Ausbildung und Arbeit? Wie sehen sie ihren momentanen Wohnort – und welche Kontakte zu Einheimischen, aber auch anderen Geflüchteten haben sie bereits geknüpft? Und welche Bedeutung messen sie ehrenamtlicher Unterstützung bei? Diese Fragen beantwortete der Autor der Studie Dr. David Schiefer in seiner einführenden Präsentation.

Folgende Handlungsempfehlungen leitet der Autor der Studie aus den geführten Interviews ab:

  • Asylverfahren sollten rechtssicher beschleunigt und die Einheit von Familien ermöglicht werden
  • Die Bleibeperspektive sollte als Kriterium überdacht werden: Aufnahme, Verfahren und Zugang zu Integrationsleistungen sollten so weit wie möglich angeglichen werden
  • Asylsuchende sollten gezielter verteilt und Kommunen besser unterstützt werden
  • Der Zugang zu Ausbildung und Arbeit sollte bedarfsorientierter gestaltet werden
  • Und: soziale Teilhabe darf nicht als Selbstläufer betrachtet werden.

Die Studie basiert auf 62 qualitativen Interviews mit Geflüchteten, die erst seit kurzer Zeit in Deutschland leben. Deren Stimmen kamen im Rahmen der Veranstaltung durch eine szenische Lesung von Originalzitaten in den Herkunftssprachen und auf Deutsch zu Wort.

Im Rahmen der anschließenden Podiumsdiskussion wurde die Frage „Wie kann soziale Teilhabe von Flüchtlingen gelingen und gemeinsam eine kulturell vielfältige Gesellschaft gestaltet werden?“ diskutiert. Die Panelisten waren: Firas Alshater, syrischer Schauspieler, Journalist, Autor und YouTuber; Prof. Dr. Petra Bendel, Mitglied des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR); Dr. Heiko Geue, Leiter der Abteilung für Engagementpolitik im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; Vinzenz Himmighofen, Co-Founder von SINGA Deutschland und Britta Weber, Fachdienstleiterin des Bereichs Familie, Jugend & Soziales im Integrationszentrum des Landkreises Goslar. Gerhard Schröder vom Deutschlandradio moderierte.

Nicht nur die Studie, auch die Podiumsteilnehmer*innen kamen zu dem Schluss, dass die unterschiedliche Behandlung der Geflüchteten abhängig von ihrer Bleibeperspektive integrationspolitisch fragwürdig ist: Diese wird von den Geflüchteten als ungerecht angesehen und stellt somit ein Integrationshindernis dar. Auch die Meinung, dass Sprachangebote für alle Geflüchteten unabhängig von ihrer Bleibeperspektive angeboten werden sollten, wurde vertreten. Dr. Geue, Abteilungsleiter für Engagementpolitik im Familienministerium, unterstrich in der Diskussion: „Integrationspolitisch ist es schwierig, mit den Menschen nicht zu arbeiten, wenn sie hier sind.“ Geue, der das Bundesprogramm „Menschen stärken Menschen“ leitet, hob die große Bedeutung des zivilgesellschaftlichen Engagements bei der Integration der Geflüchteten hervor. Er betonte: „Der Staat kann hier viel von der Zivilgesellschaft lernen.“

Zuletzt wurde die Frage gestellt, welche positiven gesellschaftlichen Auswirkungen die Zuwanderung einer solch hohen Anzahl von Geflüchteten mit sich gebracht hätte. Auf ein Beispiel aus der Hochschulverwaltung von Frau Dr. Bendel folgend waren sich die Panelisten größtenteils darin einig, dass die als Reaktion erfolgte Flexibilisierung v.a. auch öffentlicher Strukturen bestenfalls allen Beteiligten zugutekäme. Außerdem sei eine breite Debatte über das Selbstverständnis unserer Gesellschaft angestoßen worden, die für alle Beteiligten fruchtbar sein könnte.

Foto: Robert Bosch Stiftung/ SVR/ David Ausserhofer